Adolf Michel (Vater) 1920 bis 1928

Am 7. Mai 1920 heiratete Adolf Michel ein zweites Mal. Aus dieser Beziehung mit Marie Hammelbacher aus Bamberg Bayern, wohnhaft in Rheinfelden, wurde 1921 die Tochter Nelly Maria Michel geboren.

Marie Hammelbacher und Adolf Michel [Foto: Stadtarchiv Grenchen]

Nach längerem ausgezeichneten Geschäftsgang in der Metall- und Uhrenindustrie (1920 Rekordjahr mit Exportbetrag von 325,8 Millionen Franken) zeichnet sich bereits eine angespannte wirtschaftliche Lage ab: Kleine Krise zu Beginn der 1920-er Jahre, welche langsam aber stetig zunahm. 1922 erreicht die Arbeitslosigkeit in Grenchen ihren Höhepunkt: 788 Arbeitslose bei etwas mehr als 9‘000 Einwohnern. Dies führte auch zu einem Rückgang im Bauwesen und der Unterhalt der öffentlichen Gebäude wurde wegen mangelnden finanziellen Mitteln auf das Notwendigste beschränkt. [Jahreschronik Grenchner Stadtarchiv]

1920 hatte der Totalindex des Landesindex der Konsumentenpreise (1914 = 100 Punkte) den zwischenzeitlichen Höchstpunkt von 224 Punkten erreicht. Die Preise hatten sich also innert sechs Jahren mehr als verdoppelt! Die hohen Preise war mit ein Grund für den Generalstreik 1918. Danach sackte der Index bis 1935 auf 128 Punkte ab. Bis 1948 hatte sich der Index wieder bis auf das Niveau von 1920 erholt. Diese ganze Entwicklung des Indexes spiegelt auch weitgehend die wirtschaftliche Entwicklung in der Schweiz. Ende 2015 steht der Index bei 1027 Punkten.

Die ganze Baisse zeichnete sich auch im Geschäftsgang der A. Michel ab. 1921 gingen drei Schreiben von der A. Michel an die Gemeinde, um die Steuern von 23'100 Fr. in Raten abstottern zu dürfen. Ein Brief war von Adolf Michel, die anderen von Walter Roth unterzeichnet. [Stadtarchiv Grenchen]
Briefkopf 1921 mit den zwei Filialen Walde AG und Lamboing BE

Adolf Michel versuchte zwar durch die Übertragung aller privaten Grundstücke in die Firma die finanzielle Lage zu entschärfen. Aber bei den geringen Landpreisen genügte das auf die Dauer nicht.

Ab 1922 sass zusätzlich Herman Obrecht, damals noch Nationalrat, im Verwaltungsrat. 1923 musste das Aktienkapital der Firma von Fr. 1’000’000 auf Fr. 750’000 reduziert werden. 1926 wurde Emil Hindelang neu in den Verwaltungsrat gewählt, Mario Bello-Michel schied aus. Die Aktien gingen an die Banken über. Von diesem Zeitpunkte an war die Familienaktiengesellschaft aufgelöst.

1926 sass Adolf Michel für die Freisinnigen im Gemeinderat Grenchen [Historisches Lexikon der Schweiz].

Die Ebauches SA

Die Ebauches AG. wurde am 28. Dezember 1926 gegründet. Die drei bedeutendsten Unternehmungen auf dem Platze, A. Schild AG., Eta AG. und A. Michel AG., die aus den wechselvollen Jahren die Lehren gezogen hatten, schlossen sich dem Ebauches-Trust an, um der inzwischen zur namhaftesten Exportindustrie herangewachsenen Uhrmacherei die Organisation zu schaffen, deren sie bedurfte, um im Existenzkampf auch gegen ausländische Konkurrenz jederzeit erfolgreich zu bestehen. Die Ebauches AG. strebt die Gruppierung der gesamten Uhrenrohwerkproduktion nach wirtschaftlichen Zwecken an. Ihr Ziel ist die Zusammenfassung und einheitliche Finanzierung aller zu diesem Industriezweige gehörenden Betriebe zur Sicherung der rationellen Gestaltung der Produktion. Das Gesellschaftskapital beträgt zwölf Millionen, eingeteilt in 24 000 Aktien zu 500 Franken. Die Gründer, A. Schild AG., Grenchen, Société d’horlogerie de Fontainemelon, A. Michel AG., Grenchen, Schweizerischer Bankverein, Basel, Schweizerische Volksbank in Bern, Kantonalbank von Bern und Neuenburger Kantonalbank waren darin einig, dass das Rechtsdomizil der Ebauches AG. in der französischen Schweiz gewählt werden solle. [Heimatbuch Grenchen, Seite 270]

Die drei Unternehmungen produzierten zusammen 75% der in der Schweiz hergestellten Ebauches. Mit der Ebauches SA sollte auch der grosse Preiszerfall, entstanden durch die stark gestiegene Automatisierung verbunden mit hohen Produktionszahlen, gestoppt werden.

1927 beschäftige die Firma rund 700 Arbeiter und Angestellte. [Heimatbuch Grenchen, Seite 258]

Adolf Michel mit Marie und Tochter Nelly. [Foto: Piller]. Gemäss mündlicher Überlieferung war Adolf Michel lieber zu Pferd oder mit Chauffeur unterwegs. Die jüngeren Familienmitglieder bevorzugten das Auto.

Am 21. Februar 1928 stirbt Adolf Michel nach kurzer Krankheit.

Grabmal auf dem Friedhof in Grenchen