Christian Michel

Michel Wappen Guss von Piller IMG_8459    wappen_boenigen

Links: Michel-Wappen, Bronzeguss, ca 1920 [von A. Piller]. Rechts Wappen von Bönigen.

RIN377 Kaspar Michel 3 Generationen
Stammbaum von Kaspar Michel

 

Im „Brodt(Spend)-Rodel des Klosters Interlaken 1775“ [StABE, Bez Interlaken A 682, Seite 53]  ist auch „Itha Örli Caspar Michels sel. Witwe“ aufgeführt. Ab ca. 1780 erhielt sie wöchentlich 1 weisses und 2 braune Brote als Unterstützung, da sie als alt und zur Arbeit untüchtig galt. Sie war zu diesem Zeitpunkt 56 Jahre alt.

Peter Michel, Vater, genannt Oehrli Peter (Name der Mutter Itha Örli) und sein Sohn Peter Michel , genannt Oehrli Peters Sohn, wohnten in den zusammengebauten Häusern 157 a und b „aufem Sand“, also südlich ausserhalb des Dorfes . Die Schatzungen betrugen im Jahr 1813 400 und 300 Franken. Es gibt auch auch zwei Wohnhäuser, welche einem Christen Michel gehörten. Diese können aber mangels genauerer Identifikation des Eigentümers nicht sicher zu geschieden werden [Staatsarchiv Bern StABE, Lagerbuch Bez Interlaken B 1044].

Siegfriedkarte Bönigen
Bönigen Ausschnitt Siegfriedkarte [mao.geo.admin]

Christian Michel aus dem Stamm Oehrli (* 13.12.1778 in Bönigen), Maurer, Sohn des Peter Michel und der Anna Bischof, wurde nach unbestätigten Berichten durch ein regierungsrätliches Dekret aus dem Kanton Bern verwiesen. Auf Grund welches Vergehens (Frevel, Konkurs, Teilnahme am Oberländer Aufstand, Religiöse Zugehörigkeit usw.) die Familie ausgewiesen wurde, konnte trotz mehrmaligem Suchen im Staatsarchiv Bern nicht herausgefunden werden. Vielmehr ist zu vermuten, dass die Familie Michel auch aus wirtschaftlichen Gründen das Berner Oberland verliess.

Mit dazu beigetragen hat vielleicht auch der Umstand, dass der älteste Bruder Peter Michel, Schuhmacher von Beruf, 1821 wegen sektiererischer Umtriebe zuerst „Bey Wasser und Brodt“ in Untersuchungshaft und später zu zwei Jahren und dessen Frau Susanna Jaggi zu sechsmonatlicher Zuchthausstrafe verurteilt wurden, welche am 6. Juli 1821 begann. Zum ersten Mal aktenkundig in diesem Zusammenhang wurde Peter Michel 1819 verhört. In weiteren Verhören und während der Untersuchungshaft stand er klar zu seinem Glauben. 

Während den Untersuchungen ab Hornung 1821, zu obigen sektiererischen Umtrieben, philosophierten Pfarrer Samuel Ziegler, der Oberamtmann von Interlaken, Haller, sowie der Verhörrichter der Stadt und Republik Bern, von Wattenwyl, über die Deportation der Sektierer nach Amerika als beste Lösung. Auch eine „Verweisung aus der Eidgenossenschaft“ wurde diskutiert. Offenbar konnte die Sektiererei aber auf Grund der vorhandenen Gesetze nicht so bestraft werden. Neben Ermahnungen und kürzeren oder längeren Zuchthausstrafen oder Strassenarbeit wurden zwei junge Männer, Matheus Seiler, 23 Jahre alt, von Bönigen und Abraham Boss, 24 Jahre alt, von Gündlischwand, „auf vier Jahre in einen der hiesigen capitulierten Kriegsdienste nach seiner Auswahl abgegeben“. Für Frauen gab es Strafen wie „Haare abschneiden“, körperliche Züchtigung, Eingrenzung in der Gemeinde bis zur Einsperrung im Zuchthaus. Kinder, deren Eltern im Gefängnis waren, wurden „ehrbaren und religiösen Eheleuten“ in Obhut gegeben. Der örtliche Pfarrer war dafür mitverantwortlich. Sofern bei den Verurteilten Vermögen vorhanden war, mussten diese die Kosten für ihren Aufenthalt im Zuchthaus und die Erziehung der Kinder tragen.

Auf einem „Verzeichnis sektiererischer Antheilnahme“, wohl von Landjäger Müller erstellt,  wurden neben den  obgenannten auch Magdalena Michel, Tochter des Peter aus erster Ehe, und eben Christian Michel, Öhrli’s, und dessen Frau Anna Eggler aufgeführt. In der weiteren Entwicklung scheint sich Christian wieder der Kirche zugewandt zu haben, jedenfalls erscheint er später nicht mehr in den Untersuchungsakten.

Die Gemeinschaft wurde allgemein als „Antonianer“ bezeichnet, denn sie stützte sich auf den Begründer Anton Unternährer (*1759 – †1824) aus Schüpfheim (LZ) und dessen Lehre und Bücher (siehe:  https://de.wikipedia.org/ , http://www.relinfo.ch/antonianer/info.html). Ein Zentrum der Sekte befand sich in Amsoldingen, wo Anton Unternährer einige Zeit wohnte. Gemäss einem Bericht des Pfarrers Ziegler, welcher zwei Mal ein Chorgericht in der Kirche Gsteig durchführte, handelte es sich bei den Mitgliedern mehrheitlich um arme Leute mit wenig Vermögen. Eine Ausnahme bildete Maria Mühlemann, geborene Schneiter, getrennt lebende Ehefrau des Peter Mühlemann, alt Wirt. Sie war vermögend und wurde als Förderin der Sektierer in Bönigen bezeichnet. Deshalb wurde sie auch mit einjähriger Enthaltung im  Zuchthaus betraft. Sekten wurden von der Obrigkeit stark bekämpft, da diese einen negativen Einfluss auf deren Autorität hatten. [Staatsarchiv Bern StABE, Sektierer Prozedur, B III 398 und Turmbuch des Oberamts Interlaken, Bez Interlaken A 699]

Im Staatsarchiv Neuenburg habe ich zudem weitere Hinweise gefunden, dass verschiedene Michel-Familien aus Bönigen in den Neuenburger Jura ausgewandert sind. Dazu gehörte auch der Bruder Ulrich Michel (*1792 in Bönigen – †1838 La Chaux-de-Fonds), verheiratet mit Elisabeth Walthard von Iseltwald (*1796 – †1838).

Christian tauchte demnach mit seiner Frau und den 5 Kindern (Magdalena geb. 1818 war schon 1824 gestorben) Margaritha geb. 1805, Christian geb. 1807, Mathäus geb. 1811, Johannes geb. 1813,  und Peter geb. 1820 am 13. April 1825 in Le Locle auf und starb später in Les Planchettes nördlich von Le Locle.

Christian Michel 2
Stammbaum Christian Michel mit seinen sechs Kindern aus der zweiten Ehe mit Anna Eggler. Die erste Ehe blieb kinderlos.

In jener Zeit wanderten aus purer Not viele Berner Familien in den Jura aus. Fast alle Michel-Kinder, welche zu Hause wohl Deutsch gesprochen haben dürften, heirateten Nachfahren aus dem Berner Oberland wie Eymann (Amsoldingen), Fahrni (Schwarzenegg), Mützenberg (Spiez), Steudler (Krattigen) oder Warthard (Iseltwald). Diese Generation der Michel-Kinder heiratete in Les Planchettes, in Le Locle oder in Renan im Berner Jura.

Nach der Beendigung der napoleonischen Kriege und nach dem Durchstehen der nachfolgenden Teuerungsjahre begannen sich die Geschäfte wieder zu beleben und damit brach auch für die Uhrenindustrie im Neuenburger Jura wieder eine bessere Zeit an. Lernfähige und arbeitswillige Uhrenarbeiter waren wieder gesucht. In den Neuenburger Bergen, in denen – im Gegensatz zu Genf – völlige Gewerbefreiheit herrschte, war weder die Ausübung des Uhrmacherberufes von dem Besitz des Bürgerrechts oder der Niederlassung innerhalb einer bestimmten Ortschaft abhängig gemacht, noch jemand seines Alters oder seines Geschlechts wegen von der Teilnahme an irgendeiner Uhrmacherarbeit ausgeschlossen.

Im Jahr 1846 waren im Kanton Neuenburg unter der Gesamtbevölkerung von 68‘247 Seelen 10‘134 Personen in der Uhrenindustrie beschäftigt. Dabei war der grösste Teil im nördlichen Kantonsteil in La Chaux-de-Fonds und Le Locle beschäftigt. 

Die Kinder sind daher, auch auf Grund der Gewerbefreiheit, früh mit der im Neuenburger Jura beheimateten Uhrmacherei in Kontakt gekommen und so ist es nicht verwunderlich, dass einige unter ihnen in dieser Branche ein Auskommen fanden:

Michel Johannes, dit Jean (1813 Bönigen BE – 1892 Le Locle), Fabricant de balanciers au XIXè siècle au Locle.

Auch sein Sohn Johannes wird aufgeführt: Michel Jean (1845 – 1878 La Locle), Monteur de boîtes, fils de Johannes, dit Jean. Dazu sein Sohn Michel Peter, dit Pierre (1846 Biel – 1909 La Chaux-de-Fonds), monteur de boîtes aux environs.

Michel-Eymann Susanna (Amsoldingen Bern 1823 – Le Locle 1868) Polisseuse, Ehefrau von Peter Michel (1820 – 1879).

Angaben aus: [Fabricants et Horlogers Loclois, Jean-Paul Bourdin]

Im 19. Jahrhundert gab es im Neuenburger Jura Michel-Familien mit Heimatort Bönigen in Les Brenets, La Chaux-du-Milieu, La Sagne, Le Locle, La Chaux-de-Fonds und eben in Les Planchettes.

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