Filiale Lamboing

Hoch über dem Bielersee, auf dem Tessenbergplateau, liegt still verträumt das Dörfchen Lamboing [zu Deutsch: Lamlingen]. Man erreicht diese ruhige, vom grossen Verkehr verschonte Gegend entweder von der Seeuferstrasse aus durch die romantische Twannbachschlucht oder vom Taubenloch her über Orvin. Im Laufe der Jahre vergrösserte Adolf Michel seine Filiale und schuf damit einem weiteren Bevölkerungskreis eine dauernde Erwerbsmöglichkeit. Lamboing wurde somit zu einem immer wichtigeren Produktionsträger unseres Hauptbetriebes und ist heute gar nicht mehr wegzudenken [Ebauches-Zeitung 75 Jahre A. Michel AG]. 

Schon Ende des 19. Jahrhunderts hielt dort oben die Uhrenindustrie Einzug, unterhielt doch die Ebauchesfabrik Sonceboz ein Atelier für die Pignonfabrikation.

Zur Geschichte dieser Liegenschaft

Am 1. Mai 1883 erschien nachstehende Publikation im Schweizerischen Handelsamtsblatt: „Le chef de la maison Racine Frères, à Lamboing, fondée avant le 1″ janvier 1883, est Mr Louis Ferdinand Racine, de et au dit lieu. Genre de commerce: Fabrique de pignons. Das Geschäft ging später an Ernest Racine über. Am 23. November 1910 wurde dann gegen Ernest Racine-Cherpilloz, Pignons-Fabrik, in Lamboing der Konkurs eröffnet.

Am 10. Mai 1911 erschien im Schweizerischen Handelsamtsblatt [5] nachstehende Steigerungspublikation:

Lamboing Steigerungsankündigung SHAB 1911

Nachdem offenbar niemand Interesse an der Liegenschaft hatte,  wurde die Liegenschaft wohl zwischenzeitlich von der Gemeinde Lamboing übernommen und danach ein neuer Käufer  gesucht und in Henri Auguste Froidevaux gefunden.

Gemäss Grundbuchauszug und Kaufvertrag kaufte Adolphe Michel die Liegenschaft im Halte von 205 m2 sowie Mobilien am 11. Mai 1914 von Henri Auguste Froidevaux, Sohn des Augustin und der Augustine, geborene Christen, von Noirmont, Uhrenschalenfabrikant, wohnhaft in Lamboing. Adolphe Michel übernahm die Liegenschaft rückwirkend auf den 1. Januar 1914.

Die Liegenschaft hatte einen Brandversicherungswert von frs. 11,000 und einen Katasterwert von frs. 10,500. Es existierten zwei Grundpfandschulden von zusammen frs. 10‘500. Adolphe Michel bezahlte für die Liegenschaft frs. 10,000, also konnte der Verkäufer die Grundpfandschulden nicht einmal ganz bezahlen. Im Preis inbegriffen waren auch Mobilien, die der Verkäufer am 12. Oktober 1912 von der Gemeinde Lamboing erworben hatte.

Fabrik Lamboing 1909 Karte RothLamboing Fabrik von Osten ca 1915

Lamboing Fabrik Luftansicht von Süden
Fabrik in Lamboing, oben von Osten und Mitte von Westen, noch ohne Vergrösserung 1909, Luftaufnahme unten (links), ca 1920 [Foto G. Racine]
1919 betrug der Brandversicherungswert dann bereits frs. 82,900. Am 30. Mai 1919 wurde ein Grundpfand von frs. 50,000 eingetragen. Dies könnte im Zusammenhang mit dem Austritt von Adolf Michel Junior aus der A. Michel AG und dem ihm übergebenen Aktiven nötig geworden sein.

Am 2. Oktober 1922 kaufte die A. Michel AG ein danebenliegendes Grundstück im Halte von 532 m2 dazu.

Anfangs der sechziger Jahre genügten die im Jahre 1914 erworbenen Gebäulichkeiten den Anforderungen nicht mehr. Der damalige Direktor Albert Ochsenbein entschloss sich, einen grosszügigen und modernen Neubau zu erstellen. Die alte Fabrikliegenschaft haben wir 1963 der Gemeinde zu äusserst günstigen Bedingungen überlassen. Sie hat das Gebäude zu einem eigentlichen Gemeindezentrum umgestaltet [Ebauches-Zeitung 75 Jahre A. Michel AG].

IMG_3595 von Westen

IMG_3591 von Süden
ehemalige Fabrik von Nordwesten und Süden [Foto U. Roth, 2016]

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