Beda Gallus-Haus

In den Jahren zuvor hatte Adolf Michel einige Parzellen im Gebiet Krähenberg, heute Weinberg, erstanden. 1918 wurden alle Parzellen zur neuen Parzelle 4993 vereinigt.

Parzellen
Grundbuchplan aus dem Baugesuch von 1918 [Bauverwaltung Grenchen]
Das Baujahr des Hauses ist nicht bekannt, da zu dieser Zeit noch keine offizielle Baubewilligung erteilt wurden, dürfte aber auf Grund von Fotos und Karten zwischen 1890 – 1900 erfolgt sein.  Das Gebäude war also noch nicht alt und eine Wiederverwendung wird sich aufgedrängt haben.

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Links die erste Fabrik sowie in der Mitte das Haus von Beda Gallus beim Bahnbau ca. 1915 [Stadtarchiv Grenchen]
Im Baugesuch für den Abbruch und Wiederaufbau steht folgender Beschrieb: Das Haus von Parzelle 4456 wird abgetragen, versetzt & umgebaut auf Parzelle 3604.

Das Gallus-Haus stand in einem flachen Gebiet und sollte nun am neuen Standort am Hang wiederaufgebaut werden. Offensichtlich war vom Architekten Emil Altenburger ursprünglich nur ein 1:1 Wiederaufbau geplant worden. Nach Erhalt der Baubewilligung wurde die Planung geändert. Auf den neuen Plänen von Müller & Farge ist nun ein drittes Wohngeschoss und ein ausgebautes Dachgeschoss vorhanden. Zudem wurde das Treppenhaus an den Rand des Gebäudes Seite Weinbergstrasse verlegt. Das Kellergeschoss war nun ebenerdig erreichbar.

Bei der Planung ging man offenbar davon aus, das Haus gegen Westen weiter zu einer „städtischen“ Häuserzeile zu erweitern. Die Ansicht zeigt jedenfalls andeutungsweise ein weiteres Gebäude. Zudem wurden in der Westfassade mit Ausnahme im Dachgeschoss keine Fenster erstellt.

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Grundriss erster Stock. Bereits war ein separates WC vorgesehen, aber noch kein Bad. [Bauverwaltung Grenchen]
 Das Baugebiet war noch nicht richtig erschlossen, weshalb in der Baubewilligung der Hinweis erfolgte, dass die Höhenangabe der projektierten Strasse und die Angabe der Baulinie durch die Bauverwaltung an Ort & Stelle ausgeführt werde.

Grenchen aus 500 m
1925 Fabrik A. Michel mit den Villen in der Bildmitte, links oben mit dem geraden Satteldach das hohe Gallus-Haus, ganz links unten nördlich der Bahngeleise das alte Wohnhaus von Adolf Michel an der Schützengasse 65 [Foto: ETH-Bibliothek, LBS_MH01-004508-AL Grenchen 1925]
Das Beda Gallus-Haus steht heute noch. Die Fensterläden wurden zwischenzeitlich durch Rollladen ersetzt. Nachstehend einige aktuelle Fotos [U. Roth]

Das ganze Grundstück wurde in den 20-er Jahren von Adolf Michel in die AG überführt, wohl mit dem Ziel, die Finanzierung der AG zu verbessern. 1941 wird das Grundstück 4993 von der Ebauches A.G. mit einer Grösse von 6825 m2 mit einem Wert von 2‘359 CHF aufgeführt (rund 35 Rappen je m2!). Das Gebäude selber wurde auf 63‘800 CHF geschätzt. Später wurde das Grundstück wieder parzelliert und das Gallus-Haus sowie die einzelnen Parzellen von der Ebauches A.G. verkauft.