Rudolf Stotzer, treue Pflichterfüllung, 1954

Es ist für die Leitung eines Betriebes stets ein Vergnügen, auf besonders erspriessliche Ereignisse hinzuweisen und sie zu würdigen. Vierzigjährige treue Pflichterfüllung reihen wir gerne ein in den Kranz froher Tatsachen, und so ist es uns ein Bedürfnis, einem Mitarbeiter einige Worte in unserer Hauszeitung zu widmen.

Unser Jubilar heisst

Rudolf Stotzer

Chef-outilleur der Pignonschneiderei.

Aufgewachsen in einer sehr kinderreichen Familie, wohnhaft in Büren a.A., lernte er in noch ganz jungen Jahren den Ernst des Lebens kennen.

Im väterlichen Landwirtschaftsbetrieb, wo Rudolf aufwuchs, galt die Devise: „Ein schlafender Fuchs fängt kein Huhn!“ Das Frühaufstehen und die strenge Arbeit waren ihm bekannt, noch ehe er Gelegenheit hatte, 1907 in der Assa eine Stelle als Mechaniker-Lehrling anzutreten.  Diesem Beruf blieb er stetsfort treu.

Nicht unerwähnt möchten wir lassen, dass der damalige Stundenlohn eines jungen ausgelernten Mechanikers volle 35 Rappen bei zehnstündiger Tagesarbeit betrug. Ferien kannte unser heutiger Jubilar nur dem Namen nach.

Die grosse Aussperrung der Arbeiter von den Betrieben in Grenchen im Jahr 1914 ereilte ihn bei Firma Adolf Obrecht, wo er bereits einen selbständigen Posten versah. Er sah sich gezwungen in Büren Arbeit anzunehmen in einem Betrieb, wo die Hobelmaschine noch von Hand in Bewegung gesetzt werden musste.

Mit solchen altmodischen Einrichtungen konnte sich der junge, intelligente und kämpferische Rudolf Stotzer nicht befreunden, und so zog es ihn noch im gleichen Jahr wieder zurück nach Grenchen, diesmal zu Vater Michel sel. Trotzdem er von Anfang an durch seine gewissenhafte, zuverlässige und erfinderische Tätigkeit auf vielen Gebieten seines Berufes auffiel, blieben ihm Rückschläge mehrerer Krisenperioden nicht erspart und oft genug verstrich geraume Zeit, bis der Zahltag zur Auszahlung kam. Ersatzleistungen in Form von Wein, Salami und Konserven waren öfters die Regel. Er aber sagte sich, „lieber eine Gans im Kraut, als gar kein Fleisch“. Zu diesen eher trüben Erlebnissen gesellte sich noch die heimtückische Krankheit seiner Frau, die ihn jahrelang, bis ihrem Tode, jeder Erholung und Ausspannung in der Familie beraubte. Trotz dieser ungewöhnlich harten Schicksalsschläge steht der heute 63jährige noch voller Tatkraft und Energie täglich an seinem ihm liebgewordenen Arbeitsplatz und erfüllt ihn mit Geschick zur vollen Befriedigung seiner Vorgesetzten und als leuchtendes Beispiel treuer Pflichterfüllung gegenüber seinen Arbeitskollegen.

Dank und Anerkennung, lieber Rudolf Stotzer, sind Euch sicher. Ad multos annos!

[Ebauches Hauszeitung 1954]

Nachtrag: Rudolf Stotzer ging Ende Juli 1961, nach 47 Dienstjahren und im 70. Altersjahr in Pension!