Biel

1842 ging die Indienne-Fabrik (bedruckte Baumwollstoffe) im Pasquart ein. Der grösste Bieler Arbeitgeber verschwand. Um die Uhrenindustrie in Biel zu fördern, stellte Ernst Schüler (selber Uhrmacher) an der Gemeindeversammlung vom 22. Dezember 1843 den Antrag, es seien die zwölf ersten Familien von Uhrmachern durch Befreiung vom Einzug- & Einsassengeld zu begünstigen. Die Gemeindeversammlung erklärte den Antrag als erheblich. Am 6. Januar 1844 präzisierte der Gemeinderat, das Einsassengeld sei den ersten zwölf einziehenden Uhrmachern für die Dauer von drei Jahren zu erlassen.  In dieser Form wurde der Antrag an der nächsten Gemeindeversammlung genehmigt. Am 4. Mai 1844 ermächtigte der Gemeinderat den Polizeiinspektor ab sofort auch das Einzugsgeld zu erlassen [Reto Lindenegger/Stadt Biel/David Gaffino, Bieler Geschichte, 1815 bis heute, Band 2, 2013, Seite 667]. Im Jahr 1844 befanden sich bereits 13 Uhrmacher-Atelierchefs mit ihren Familien in Biel, welche 31 Arbeiter beschäftigten [Dr. jur. Fernand Schwab, die industrielle Entwicklung der Stadt Biel, 1918, Seite 175].

Matthäus Michel war wohl einer der ersten Uhrmacher, welcher in Biel einzog und von vorstehender Regelung profitierte. In der Bieler Einsassen-Controlle 1 wurde Matthäus Michel, Uhrmacher, mit Ehefrau Katharina Beutler und den Kindern Rosetta, Maria und Friedrich am 1. Juni 1844 eingetragen. Als Wohnadresse wurde Pasquart 312a angegeben. [StadtA Biel, AB.62.1.112, Einsassencontrolle 1, 1841 – 1856, Eintrag 304]

Matthäus war in Biel scheint in einem  eigenen Atelier als Kleinunternehmer tätig gewesen zu sein, da er auch „Gesellen“ beschäftigte. Die ersten Uhrmacher, die Matthäus beschäftigte wurden am 19. Mai 1844 erfasst [StadtA Biel, AB.62.1.150, Aufenthalter Controlle, 1842 – 1851, Seite 74]. Interessant ist, dass Matthäus zwischendurch auch einen Maurer und Steinhauer beschäftigte. Die Ateliers befanden sich in den Wohnhäusern selber. Anfänglich baute man dafür die Dachgeschosse aus, da dort die Lichtverhältnisse zum Arbeiten am besten waren.

Die Herstellung einer Uhr geschah damals noch im Verlagssystem. Ob Matthäus „die fertige Uhr“ herstellte oder nur einen bestimmten Bestandteil ist nicht bekannt.

Im Jahr 1851 wird Matthäus als Ersatz eines Mitglieds in den 14 köpfigen Gemeinderath der Stadt Biel gewählt. [StadtA Biel, Protokollbuch des Gem. Rates der Stadt Biel, N° II, ab 1851, Seite 4].

Am 9. August 1851: Neue Wasserverheerungen, besonders am See, durch Wolkenbrüche. In Ligerz und bei Bippschal wurden sogar Häuser zerstört und fanden mehrere Menschen dabei den Tod. In der Nacht vom 23. auf den 24., 5 Minuten nach 2 Uhr, werden zwei heftige Erdstösse bemerkt, in der Richtung von Osten nach Westen.
Bei der politischen Erbitterung (Radikale gegen Konservative) werden doch die Armen nicht vergessen und finden reiche Sammlungen statt für die Brandbeschädigten von Diesse und Nods, sowie für die Wasserbeschädigten…
September. Am Bettage wurde für die Wasserbeschädigten die für jene Zeit bedeutende Summe von Fr. 1141. 45 Rap. gesammelt, besonders wenn man bedenkt, dass Biel selbst durch Wolkenbruch und Ueberschwemmung schwer geschädigt wurde [Gustav Blösch, Chronik von Biel, von den ältesten Zeiten bis zu Ende 1873, Seite 240].
Nach stattgefundener Einsammlung der Liebessummen für die Wasserbeschädigten werden heute dem Gemeinderath abgegeben in bar von……zusammen Louisd’or 1’141.45 [StadtA Biel, Protokollbuch des Gem. Rates der Stadt Biel, N° II, ab 1851, Seite 26]. Mätthäus Michel hat dabei den Betrag von 146.05 beigetragen.

An der Sitzung des Gemeinderathes im Mai 1852 wurde die mündliche Anzeige von Matthäus Michel behandelt, in der er infolge „Entfernung von hier“ die Entlassung aus dem Rath beantragt [StadtA Biel, Protokollbuch des Gem. Rates der Stadt Biel, N° II, ab 1851, Seite 61]. Er hatte ja bereits Mitte März 1852 eine Liegenschaft in Grenchen erworben. Insgesamt scheint Matthäus das Mandat nicht besonders ernst genommen zu haben, fiel er doch durch häufige Absenzen auf.

Scheidung von Katharina Beutler

Im April 1852 kam in Biel das erste Kind, Elisabeth, aus der zweiten Ehe mit Elisabeth Andres (1832 Rüthi b/B – 1895 Lengnau) von Gächliwil-Messen zur Welt. Die Eheschliessung erfolgte jedoch erst 1854 in Grenchen, nach der Geburt des zweiten Kindes, dem Sohn Carl Matthäus.

Im März oder April 1852 zog Matthäus Michel mit der neuen Partnerin nach Grenchen weiter.

Andres Maria hoch 2
Stammbaum von Mathäus Michel mit den elf Kindern aus zweiter Ehe mit Maria Elisabeth Andres

Die drei Kinder Elisabeth, Lina und Emma müssen sehr früh verstorben sein.

eventuell Mathäus Michel mit Frau
Elisabeth Michel – Andres und Mathäus Michel ? [Foto Louis Piller]

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